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Cartographica Helvetica


Zusammenfassung

Thema: Der Neuenburger Kartograph Maurice Borel (1860–1926)

Cartographica Helvetica 61 (2020)

Zusammenfassung:

2017 wurde in der Reihe La Nouvelle Revue neuchâteloise (NRN) das Heft Nr. 134 mit dem Titel Maurice Borel (1860–1926), Cartographe publiziert. Im Wissen, dass dieser ausserordentlich vielseitige Kartograph in der deutschsprachigen Schweiz nicht sehr bekannt ist, haben wir uns entschieden, dieses Heft als Vorlage für eine eigene Publikation zu verwenden. Die Autoren Marcel Garin (Gorgier) und Maurice Evard (Neuchâtel) liessen sich für unser Vorhaben begeistern und unterstützten uns bei der Suche nach den benötigten Grundlagen, die in der Zwischenzeit von der «Association de L'Aristoloche» (früher «Fondation du Moulin de Bevaix») ins Staatsarchiv von Neuenburg (Office des archives de l'État de Neuchâtel) verlagert worden waren.

Maurice Borel wurde am 28. März 1860 geboren und starb am 15. Mai 1926. Aus erster Ehe seines Vaters stammen drei Halbbrüder, Alfred, Adolphe und Antoine. Diese waren geschäftlich sehr erfolgreich, unter anderem mit ihrer Handelsgesellschaft in den Vereinigten Staaten Amerikas, und unterstützten ihn finanziell fast zeitlebens. Maurice Borel liess sich 1879 bis 1882 in der «Geographischen Anstalt von Wurster, Randegger & Cie.» in Winterthur zum Steingraveur ausbilden. Ende 1882 reiste er nach Paris, wo er mit einem Empfehlungsschreiben seines bisherigen Arbeitgebers im «Établissement géographique Erhard frères» eine Anstellung fand.

Am 17. September 1884 heirateten Maurice und Bertha Reinhart, die Tochter der Pensionsinhaberin, bei der er in Winterthur logiert hatte. Sie war eine talentierte Blumenmalerin, die unter anderem zwei Bücher illustrieren konnte. Ab 1886 wurden ihnen in Paris vier Kinder geboren, später in Neuenburg nochmals vier.

Um 1888 machte sich Maurice Borel selbständig und eröffnete an seiner Wohnadresse Avenue d'Orléans 19 in Paris ein eigenes Lithographieatelier. Fast gleichzeitig musste er eine wichtige Entscheidung bezüglich seiner zukünftigen Situation treffen. Johannes Randegger, sein erster Chef hatte die Idee, ihm seine Winterthurer Firma zu übergeben. Finanzielle Gründe, wenig Kenntnisse der deutschen Sprache, aber auch mangelndes Selbstvertrauen, eine solche reputierte Firma leiten zu können, liessen ihn auf das Angebot verzichten.

Parallel zu seinen französischen Aufträgen erstellte er in seinem Atelier 1889 eine Karte des Kantons Neuenburg (Carte du Canton de Neuchâtel) im Massstab 1:50 000 in vier Blättern, vorwiegend basierend auf den Daten des Topographischen Atlas der Schweiz 1:25 000. Auf der Basis dieser Karte erstellte er zudem ein Reliefmodell in vier Teilen. Ein Jahr später folgte im gleichen Massstab und Format eine Schulwandkarte.

Mitte 1893 entschied sich Maurice Borel für eine Rückkehr in die Schweiz, wo er in Neuenburg ein neues Atelier gründete. Nebst Karten produzierte er auch Panoramen und weitere Reliefmodelle, beispielhaft sind vor allem diejenigen seiner näheren Umgebung, der Creux-du-Van und der Gorges de l'Areuse. Als Dauerauftrag war seine Mitarbeit am Geographischen Lexikon der Schweiz (deutsche und französische Ausgabe, 6 Bände, 1902–1910), für das sein Atelier sämtliche Karten erstellte. Die ursprüngliche Gravur und Farblithographie auf Stein wurde zuerst von der Technik auf Zinkplatten (Zinkographie) und später durch das farbgetrennte Zeichnen in vergrösserter Form und anschliessender photographischer Reduktion in den Endmassstab abgelöst.

Seine grosse Leidenschaft blieb aber die Archäologie, die Suche nach den Überresten der Pfahlbauten entlang dem Ufer des Neuenburgersees, die vor allem dank der Juragewässerkorrektion (1868–1891) ans Tageslicht gekommen waren. 1907 wurde er Präsident der Ausgrabungskommission und kartierte laufend deren Funde bis zu seinem Tod im Jahre 1926.


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