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Cartographica Helvetica


Zusammenfassung

Thema: Photographie an der Landestopographie

Cartographica Helvetica 59 (2020)

Zusammenfassung:

Das vorliegende Heft vermittelt einen Überblick über die Anwendung der Photographie am Bundesamt für Landestopografie swisstopo, welches 1838 in Genf durch Guillaume-Henri Dufour gegründet wurde. Ein Jahr später stellte in Paris der Physiker François Arago das Verfahren der «Daguerreotypie» der französischen Akademie der Wissenschaften vor, was als Geburtsstunde der Photographie gilt. Erst ein Vierteljahrhundert später wurde 1863 kurz vor Abschluss der Arbeiten an der «Dufourkarte» ein Bericht über die Möglichkeiten eines Einsatzes dieser neuartigen Methoden in der amtlichen Kartographie der Schweiz verfasst. Bereits rund ein Jahrzehnt zuvor hatte das Justiz- und Polizeidepartement als erste Bundesbehörde die Photographie bei seiner Tätigkeit eingesetzt.

In der ersten Hälfte der 1870er-Jahre begann das Eidgenössische topographische Bureau in Kooperation mit Privatphotographen diese neuen Technologien auch produktiv anzuwenden. Das an der Weltausstellung 1873 in Wien ausgestellte Photographische Relief der Schweiz nach der Dufourkarte ist das bislang älteste bekannte photographisch erstellte Produkt der schweizerischen amtlichen Kartographie. Ein Jahr lang liess Ingenieur Philipp Charles Gosset seine Arbeiten an der Vermessung des Rhonegletschers photographisch dokumentieren. Erst in den frühen 1890er-Jahren wurde das Reproatelier unter der Leitung von Ernst Jeuch geschaffen.

Parallel dazu unternahm 1892 Ingenieur Max Rosenmund die ersten Versuche, photographisch exponierte Glasplatten als Speicher geometrischer Informationen zu nutzen. Damit erhielt die Photographie eine neue Funktion als Messbild, dessen Auswertung zur Konstruktion von Plänen und Karten eingesetzt werden konnte. Aus verschiedenen Gründen dauerte es allerdings bis in die frühen 1920er-Jahre, bis solche Arbeiten über das Versuchsstadium hinauswuchsen und zunehmend produktiv umgesetzt wurden. Im Alpengebiet erfolgten die topographischen Aufnahmen für die sogenannten Festungskarten ab dem Ersten Weltkrieg mittels terrestrischer Photogrammetrie. Die Bildmessung aus der Luft wurde um 1924/25 getestet und danach produktiv umgesetzt. Gegen Ende dieses Jahrzehnts wurden die ersten photographisch erzeugten Bildpläne aus entzerrten Einzelaufnahmen zusammengesetzt und in drei Fällen als Aerophoto-Karten gedruckt. Im Auftrag des Telegraphenchefs der Armee entstanden zwischen 1944 und 1947 insgesamt 16 Infrarot-Photopanoramen.

Beim Aufbau des neuen Landeskartenwerkes nach dem «Kartengesetz» von 1935 spielten die ausgeklügelten photographischen Reproduktionsvorgänge eine zentrale Rolle und prägten die anerkannt hohe Qualität der amtlichen Kartenproduktion der Schweiz wesentlich mit. Doch der ab den 1970er-Jahren einsetzende Wandel hin zu einer digitalen Gesellschaft hatte seine Auswirkungen auf die Arbeitsprozesse: Nach und nach verschwanden wichtige Ingredienzen der photochemischen Arbeitsprozesse aus dem Angebot der Photoindustrie. Parallel dazu gewann die digitale Bildverarbeitung ab den 1990er-Jahren rasant an Bedeutung und führte bis etwa zur Jahrtausendwende in allen Arbeitsprozessen zur vollständigen Ablösung der analogen Photographie durch numerische Methoden.


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