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Cartographica Helvetica


Zusammenfassung

Markus Oehrli und Martin Rickenbacher:

Deutsche Heereskarte Schweiz 1:25 000 – ein geheimes Kartenwerk aus dem Zweiten Weltkrieg

Cartographica Helvetica 26 (2002) 3–12

Zusammenfassung:

Während des Zweiten Weltkrieges war die Abteilung für Kriegskarten- und Vermessungswesen für das militärische Kartenprogramm des Deutschen Reiches zuständig. Sie gab topographische und thematische Kartenwerke verschiedenster Massstäbe nicht nur über die eigentlichen Kriegsschauplätze heraus, sondern auch von neutralen Staaten. Die deutschen Kriegskarten der Schweiz 1:25 000 werden in diesem Beitrag erstmals dokumentiert.

Im Laufe des Krieges bearbeitete das Deutsche Reich zwei Kartenwerke im Massstab 1:25 000:

  • Die Sonderausgabe ist eine Kopie des damaligen amtlichen Kartenwerkes der Schweiz, der «Siegfriedkarte», wobei das schweizerische Koordinatennetz durch das Gauss-Krüger-Gitter ersetzt und die Anzahl der Farben von drei auf zwei reduziert wurde. Total wurden 171 Blätter bearbeitet und zwischen September und Dezember 1940 herausgegeben.
  • Die Heereskarte ist formal eine Weiterentwicklung der Sonderausgabe. Sie erhält grosse Bedeutung wegen der teilweisen Nachführungen des topographischen Inhalts, die auf Grund von deutschen Luftbildern aus dem Sommer 1943 vorgenommen wurden. Überdies wurde das Gauss-Krüger-Gitter wieder entfernt und durch das Deutsche Heeresgitter ersetzt. Bisher konnten von dieser Serie 186 Blätter nachgewiesen werden, die zwischen August 1944 und März 1945 gedruckt wurden.

Mit wenigen Abweichungen gleichen die Blattübersichten dieser zwei deutschen Kriegskartenwerke verblüffend derjenigen der erst ab 1952 herausgegebenen Landeskarte der Schweiz: Die deutschen Kriegskarten 1:25 000 bilden somit das erste flächendeckende Kartenwerk der Schweiz dieses Massstabes! Wegen der darin enthaltenen Nachführungen erhält die Deutsche Heereskarte den Rang eines wichtigen topographischen Zeitzeugen, der sich nahtlos in den machtpolitisch begründeten Kontext der deutschen Strategie im Zweiten Weltkrieg einfügt. Die deutschen Kriegskarten werden ihren gebührenden Platz in der Schweizer Kartengeschichte des 20. Jahrhunderts erhalten müssen.


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