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Cartographica Helvetica


Zusammenfassung

Philipp von Cranach:

Alte Karten als Quellen

Cartographica Helvetica 22 (2000) 31–42

Zusammenfassung:

Die alten Karten sind wichtige Quellen, wenn man Fragestellungen historisch-topographischer oder historisch-geographischer Natur untersucht. Bei der Auswertung dieser Quellen gelten grundsätzlich die gleichen Regeln wie bei der Interpretation anderer Quellengattungen. Einmal ist zu überprüfen, ob und inwieweit sich der Kartenautor nicht an speziellen Zielsetzungen orientierte und sich deshalb bei der Geländeaufnahme oder bei der Reinzeichnung auf bestimmte Inhalte konzentrierte und andere bewusst oder unbewusst vernachlässigte. Gerade bezüglich dieser Problematik sind lokalhistorische Studien oft wenig kritisch; man hat den Eindruck, dass die hervorragenden Leistungen der modernen schweizerischen Kartographie viele Forscher zur Annahme verleiten, dass auch frühere Karten die topographischen und geographischen Strukturen sozusagen «objektiv» wiedergeben wollten. (Nur nebenbei: wahrscheinlich sind auch unsere modernen Karten immer aus spezifischen Blickwinkeln heraus erstellt worden; es ist zu vermuten, dass die zukünftige Geschichtsforschung das Bild der «quasi neutralen Datenspeicher» erheblich relativieren wird).

Ein weiteres Problem, das sich bei der Auswertung der alten Karten stellt, ist das Verhältnis zwischen der Geländeaufnahme und der späteren Reinzeichnung. Da viele Karten teilweise oder gänzlich auf älteren Karten oder Geländeaufnahmen beruhten, ist die zeitliche Ansetzung konkreter geographischer oder topographischer Strukturen (wie etwa die Anlage einzelner Strassen- oder Grenzverläufe, Brückenbauten usw.) häufig nur in einem Eingrenzungsverfahren mittels der klassischen Datierungstermini möglich. Nun sind aber oft nur wenige Karten eines bestimmten Gebietes überliefert, was wiederum bedeutet, dass für mehrere topographische oder geographische Strukturelemente zwangsläufig nur die exakt gleichen Termini angeführt werden können, sofern nicht noch andere datierende Quellen zur Verfügung stehen. Dies erweckt zwar bei dem unbefangen Leser, z.B. einer lokalgeschichtlichen Studie, auf den ersten Blick den Eindruck einer gewissen Undifferenziertheit, bezeugt aber für den Spezialisten ebenso auf den ersten Blick die korrekte Anwendung der historischen Methode.

Bei der Erforschung der historischen Entwicklung der Verkehrs- und der Kulturlandschaft stellt sich mitunter auch die Aufgabe, eine alte Karte in moderne Karten bzw. in das heutige Gelände zu übertragen. Da nun viele der älteren Karten infolge der Ungenauigkeit der Vermessungsverfahren weder massstabs- noch winkelgetreu sind und deshalb viele Verzerrungen und Stauchungen enthalten, ist eine solche Umzeichnung oft schwierig. Erfolgsversprechend erscheint ein Verfahren, das von eindeutig in den alten Karten wie im heutigen Gelände festzusetzenden Fixpunkten ausgeht. Sind solche Fixpunkte festgelegt, so kann man dann in einem deduktiven Verfahren schrittweise auf die übrigen in der Karte dargestellten Strukturelemente zurückschliessen. Spielt man dieses Verfahren von verschiedenen Fixpunkten her durch, so können sich Widersprüche ergeben; manchmal sind diese aber aufzulösen, wenn man nicht nur eine, sondern möglichst viele überlieferte alte Karten des Untersuchungsgebietes beizieht.


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