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Cartographica Helvetica


Zusammenfassung

Markus Heinz und Cornelia Reiter:

«Asiae descriptio» und Jüngstes Gericht – Beispiel für die Zweitverwendung einer Kupferplatte von Ortelius

Cartographica Helvetica 17 (1998) 25–31

Zusammenfassung:

Auf der Rückseite eines Ölgemäldes auf Kupfer wurden kürzlich die gestochenen Linien einer Karte entdeckt. Dabei handelt es sich um das rechte untere Teilblatt der Asienwandkarte von Abraham Ortelius von 1567. Das unsignierte Gemälde ist mit 1608 datiert und ist ein typisches Werk eines Antwerpener Künstlers, wahrscheinlich eines Mitglieds der bekannten Familie Francken-Lisaert.

Obschon die Platte mit einem Hammer bearbeitet worden ist, lässt sich erkennen, dass die gravierten Linien mit dem einzigen existierenden Exemplar der Öffentlichen Bibliothek der Universität Basel identisch sind. Diese Asienkarte – die erste bekannte Wandkarte – wurde von Ortelius auf den Grundlagen von drei Karten Gastaldis sowie neuem Material für einige Gebiete wie Japan und Nordrussland kompiliert. Die Wiederverwendung einer alten Kupferdruckplatte als Bildträger für ein Gemälde war oftmals aus Kostengründen bedingt und verhalf so zum Überleben eines weiteren Originaldokumentes aus einem privaten kartographischen Verlag.

Um 1600 verwendeten flämische Künstler, unter ihnen auch Mitglieder der Familie Francken, häufig Kupferplatten als Malgrundlage. Ortelius' eigene Kunstsammlung wurde von Frans Francken II sogar bildlich festgehalten. Die Verbindung von Kartendruck und Kunst zeigt eine wesentliche Charaktereigenschaft von Abraham Ortelius auf: der berühmte, gebildete Kartograph und Kunstsammler mit vielen Freunden aus der Kunstszene Antwerpens des späten 16. Jahrhunderts.


Bibliographische Anmerkung

  • Ebenfalls erschienen als: Asiae Descriptio and the Judgement Day painting: an example of secondary use of an Ortelius copper plate. In: Abraham Ortelius and the first atlas: essays commemorating the Quadricentennial of his death, 1598–1998. Hrsg. Marcel van den Broecke, Peter van der Krogt, Peter Meurer. 't Goy-Houten, 1998. S. 125–131.

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