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Cartographica Helvetica


Zusammenfassung

Thema: Die Vermessung und Kartierung der Region Basel

Cartographica Helvetica 63 (2021)

Zusammenfassung:

Basel, die Stadt am Rheinknie, liegt in der Nordwestecke der Schweiz. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts war das wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Leben von starken Banden zu den oberrheinischen Städten geprägt. Mit dem 1501 erfolgten Eintritt in die Eidgenossenschaft begann eine politische Umorientierung in Richtung Süden. Basel etablierte sich als unabhängige Stadtrepublik und als selbständiger Territorialstaat. Dieser Prozess wiederspiegelt sich sehr schön im Unterschied zwischen der ältesten Manuskriptkarte (1495/97) und der ältesten gedruckten Karte der Schweiz (1513). In den beiden Dekaden von 1531 bis 1550 und wieder zwischen 1561 und 1580 war Basel das in Mitteleuropa führende Kartenproduktionszentrum, geprägt vom Wirken Sebastians Münsters, der hier 1538 die erste Regionalkarte der Schweiz drucken liess.

Die territoriale Abgrenzung Basels zog verschiedene Vermessungsaktivitäten nach sich. Mit zweien seiner Söhne kartierte der Künstler Hans Bock d.Ä. im Auftrag des Kleinen Rates von 1620 bis 1624 die Basler Hoheitsgrenzen. Das innere Kantonsgebiet wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts durch die «Lohnherren» (Stadtingenieure) Jakob und Georg Friedrich Meyer mit polygonalen Methoden vermessen, wovon zahlreiche Zehntenpläne, Ämterkarten, Skizzen und die grosse Manuskriptkarte des Gesamtkantons im Massstab 1:10 000 überliefert sind. Damit war das Basler Territorium bereits um 1690 ein erstes Mal flächendeckend nach damals modernen Methoden kartiert. 1755 unternahm der Physikprofessor Daniel Bernoulli, mehrfacher Preisträger verschiedener Akademien, eine Expedition in den Basler Jura und bestimmte dabei erstmals die Höhen von vier Orten. Ansonsten beschränkten sich die Kartographen des 18. Jahrhunderts im Wesentlichen auf die Publikation der Vermessungen ihrer Vorgänger.

1765 erreichte die moderne Kartographie mit der Publikation der Carte de France 1:86 400 von Westen her die Region Basel. Anderthalb Jahrzehnte später folgte mit der Carte géométrique de la Frontière 1:14 400 bereits eine zweite Kartierung stadtnaher Gebiete, diesmal durch französische Genieoffiziere. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde auch das Rheintal östlich von Basel zum Arbeitsgebiet der «Ingénieurs géographes militaires«, weil es als Verschiebungsachse für Napoleons Truppen gegen den Hauptfeind Österreich von grosser strategischer Bedeutung war. Parallel dazu entstanden in unmittelbarer Nähe zu Basel die ersten französischen Katasterpläne im Kontext des «Code civil».

Diese vielfachen französischen Vermessungsaktivitäten blieben den Basler Wissenschaftlern und Behörden nicht verborgen und inspirierten sie. So unternahm zwischen 1813 und 1824 der Mathematikprofessor Daniel Huber einen Versuch der trigonometrischen Vermessung des Kantons Basel, und die Landwirtschaftliche Kommission liess gestützt auf diese geodätische Grundlage ab 1820 zahlreiche Gemeindebänne kartieren. Doch dieses zukunftsweisende Vermessungsprojekt kam nach dreijährigen politischen Wirren, die 1833 in der Trennung von Basel-Stadt und -Landschaft in zwei Halbkantone gipfelten, vollständig zum Erliegen. Als unter Leitung von General Dufour kurz danach die Topographische Karte der Schweiz 1:100 000 in Angriff genommen wurde, konnte der Strasseninspektor Friedrich Baader in dessen Auftrag die vorhandenen grossmassstäblichen Pläne auf effiziente Weise zu Originalzeichnungen 1:25 000 zusammenstellen, auf denen bloss noch die Lücken aufzunehmen waren. Da das Gelände nur in Schraffen dargestellt war, mussten für die Projektierung der Linie Basel-Olten der Schweizerischen Centralbahn die topographischen Grundlagen mit Höhenkurven neu aufgenommen werden. Aus dem gleichen Grund mussten die Grundlagen für den Topographischen Atlas der Schweiz 1:25 000 ab 1870 neu aufgenommen werden. Mit der Dufour- und der Siegfriedkarte übernahm die Schweizerische Eidgenossenschaft die Federführung bei der Kartierung Basels im topographischen Massstabsbereich.

Die Kartensammlung der Universitätsbibliothek Basel gilt als eine der bedeutendsten kartographiehistorischen Kollektionen der Schweiz. In ihren Beständen sind einmalige Schätze und diverse Unikate vorhanden, darunter der erste gedruckte Plan der Stadt Paris von Truschet und Hoyau aus den 1550er Jahren oder die Weltkarte (1569) und die Europakarte (1572) des Gerhard Mercator. Ziel des vorliegenden Aufsatzes ist es, die Sammlungsgeschichte anhand ausgewählter Karten von ihren obskuren Anfängen im 15. Jahrhundert bis hin zur strukturierten Sammlungstätigkeit zu Beginn des 20. Jahrhundert nachzuzeichnen. Ein besonderer Fokus liegt auf dem sogenannten Amerbach-Kabinett. Vieles deutet darauf hin, dass die wertvollsten Karten, die heute in der Universitätsbibliothek Basel aufbewahrt werden, aus dem für Basel ungemein wichtigen Kunstkabinett des Juristen Basilius Amerbach stammen. Dank der Auswertung diverser Inventare des Amerbachschen Raritätenkabinetts konnten in diesem Aufsatz diverse Provenienzen gar erstmals nachgewiesen werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem kartographischen Schaffen Sebastian Münsters in Basel. Dank seiner Tätigkeit, seinen Korrespondenzen und Werken wurde Basel im 16. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum der Kartographie, und er hinterliess damit wichtige Spuren in der hiesigen Kartensammlung. 1879 schenkte Jakob Melchior Ziegler, Mitbegründer und langjähriger Leiter der kartographischen Firma Wurster & Cie in Winterthur, seine imposante Kartenkollektion der Universitätsbibliothek. Durch die politische Entwicklung und diverse weitere Schenkungen entwickelte sich die Kartenkollektion der Universitätsbibliothek im 19. Jahrhundert endgültig von einer Raritätensammlung zu einer kleinen, aber feinen Kartensammlung. Ihr Kern, die Karten von Münster, Mercator oder Ortelius, macht die Universitätsbibliothek Basel noch heute zu einem wichtigen Ort der Kartographiegeschichte.


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