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Cartographica Helvetica


Zusammenfassung

Daniel Vischer und Hans-Uli Feldmann:

Die erste Juragewässerkorrektion, 1868–1891

Cartographica Helvetica 32 (2005) 17–32

Zusammenfassung:

Anders als heute floss die Aare früher von Aarberg mäandrierend in nordöstlicher Richtung – ohne den Bielersee zu berühren – bis nach Meienried bei Büren an der Aare. Dort vereinigte sie sich mit der aus dem Bielersee fliessenden Zihl und wandte sich nach Solothurn. Bei Hochwasser überschwemmte sie das angrenzende Land und verursachte durch einen Rückstau der Zihl auch ein Ausufern des Bieler-, Neuenburger- und Murtensees. Das hatte neben den unmittelbaren Schäden an Siedlungen, Verkehrswegen und Fluren auch eine weiträumige Versumpfung im ganzen Seeland zur Folge. Damit verbunden waren Plagen durch Ungeziefer und Seuchen, wie die Malaria.

Von 1652 an wurden deshalb verschiedene Massnahmen geplant. Zwei weitere schlimme Überschwemmungen in den Jahren 1831 und 1832 führten – vom einheimischen Arzt Johann Rudolf Schneider angeführt – zur Gründung eines Initiativkomitees. Bis zum letztlich zielführenden Projektvorschlag von Richard La Nicca im Jahre 1842, also während 190 Jahren, wurden durch diverse namhafte Ingenieure eine Vielzahl von Projekten ausgearbeitet.

1868 begann endlich die eigentliche Juragewässerkorrektion, die 1891 erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Ihr Kernstück bestand in der Umleitung der Aare von Aarberg in den Bielersee. Das geschah durch den Bau des 8 km langen Hagneckkanals, für den der Seerücken auf einer Länge von 900 m und bis zu 34 m Tiefe durchstochen werden musste. Auffälligstes Ereignis war die Absenkung der drei erwähnten Seen auf ein einheitliches Niveau, was die von zahlreichen Meliorationsmassnahmen unterstützte Entsumpfung der Umgebung ermöglichte, aber auch Anpassungen an Ufermauern, Schiffsanlegestellen und Häfen erforderte. Die Genauigkeit der Vermessung und deren kartographische Umsetzung lassen heute wertvolle Rekonstruktionen der Kultur- und Naturlandschaft zu.

Nach einigen Jahrzehnten setzte sich das entsumpfte Gelände soweit, dass die erste Juragewässerkorrektion in den Jahren 1962 bis 1973 durch eine zweite verbessert werden musste.


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