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Cartographica Helvetica


Zusammenfassung

Kai Brodersen:

Ein karolingischer Stadtplan von Rom?

Cartographica Helvetica 14 (1996) 35–41

Zusammenfassung:

Das Abbild der Stadt Rom, das eine verlorene Silbertafel aus dem Erbe Karls des Grossen zierte, wurde bis anhin als gravierter Stadtplan interpretiert, als «ichnographia». Um diese Sichtweise zu stützen, haben Wissenschaftler Parallelen zu diesem Stadtplan zu rekonstruieren versucht und postulierten einen «missing link» (fehlendes Bindeglied) von der klassischen Forma Urbis zu den hochmittelalterlichen Stadtplänen, die in den Codices erhalten sind.

Doch ist weder eine Gravur des Abbildes noch seine «ichnographia»-Qualität irgend belegt. Zudem erweisen sich die «rekonstruierten Parallelen» als moderne Konstrukte. Es gibt auch keinen direkten Weg von der auf einer Aneinanderreihung von Gebäudeumrissen beruhenden Forma Urbis zu den über ein Jahrtausend jüngeren Handschriften-Plänen mit ihren schematischen Gebäude-Aufrissen. Es sollte daher kein «missing link» angenommen werden.

Vielmehr weisen die einzigen Belege für die karolingische Stadtdarstellung auf der Silbertafel, nämlich die auf das Erbe Karls des Grossen bezogenen Schriftquellen, auf eine Wiedergabe als Personifikation oder aber als im Flachrelief gestaltetes schematisches, schräg von oben gesehenes Ideogramm. Die darin eingetragenen Monumente sind nicht unbedingt lagerichtig. Es gibt für diese These vielerlei Parallelen aus Antike und Mittelalter.

Ein karolingischer Stadtplan Roms aber ist weder direkt noch indirekt belegt – und nicht einmal wahrscheinlich.


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